Julie-Marie Sundal und Johannes Nies nahmen das Publikum mit in die Heimat Edvard Griegs

Ein reines Grieg-Konzert bot das Duo Sundal/Nies am Ostermontag im Finsterwalder Logenhaus. Die norwegische Sängerin Julie-Marie Sundal, die von Johannes Nies am Piano begleitet wurde, sang auf Dänisch, Deutsch und Norwegisch. Das Herzstück des Konzertabends lag in Griegs Opus 67 „Haugtussa“ (Bergfee). Der von Grieg komponierte Liederzyklus, dessen Texte die Gedichte vom norwegischen Dichter Arne Garborg sind, erzählt die Geschichte eines Hirtenmädchens, das über hellseherische Fähigkeiten verfügt und in der norwegischen Natur umherwandert.

Julie-Marie Sundal offenbarte die Erlebnis- und Gefühlwelt der „Haugtussa“ in beeindruckender Art und Weise und riss die Zuhörerinnen und Zuhörer, obgleich sie nichts vom Text verstehen konnten, emotional mit in ihre Wanderungen und ihre Emotionen.

„Obwohl Grieg eine sehr deutsche Musikausbildung hatte, spricht die  für ihn typische Musik doch eine recht norwegische Sprache, die es leicht macht, seine Werke immer wieder zu erkennen“, erklärte Pianist Johannes Nies und machte in den von ihm dargebotenen Klavierstücken sehr deutlich, wie er zu dieser Annahme kommt. Die zunächst träumerischen und dann nahezu aufbrausenden Klänge, die beispielsweise in Griegs „Hochzeitstag auf Troldhaugen“ vorkommen, sind wohl eines der dafür eindeutigsten Beispiele.

Die drei auf Deutsch getexteten Lieder von Heine, Geibel und Goethe zeigten dann aber doch Einflüsse seines in Leipzig absolvierten Studiums.

Edvard Grieg soll einmal gesagt haben, dass seine Genialität im Komponieren von Liedern allein durch seine Inspiration entstanden sei. Diese Inspiration war ein Mädchen, das später seine Frau wurde und für ihn auf ewig die einzig wahre Interpretin seiner Lieder bliebe. Als Johannes Nies diese Anekdote im Logenhaus erzählt, runzelten vereinzelt  Zuhörerinnen und Zuhörer die Stirn. Sie mögen gedacht haben: Es ist ein Jammer, dass Edvard Grieg am Montag nicht im Logenhaus war, um Julie-Marie Sundal singen zu hören, vielleicht hätte er seine Meinung diesbezüglich geändert.