Stadthallenbau: Die Arbeiten sind in vollem Gange

Aus dem Juli-Stadtanzeiger

Liebe Finsterwalderinnen und Finsterwalder,

wer das Grundstück, auf dem künftig unsere Stadthalle stehen wird, noch aus dem letzten Sommer kennt, wird es kaum wiedererkennen. Nachdem das Baufeld zunächst umfangreich beräumt werden musste, ist Mitte Juni mit den Aushubarbeiten für die Fundamente und die Bodenplatte der Stadthalle begonnen worden. Auch die Baustelleneinrichtung ist nach der Installation des Baustroms und des Sanitärcontainers sowie der Einrichtung der Baustraße abgeschlossen. Nach erfolgter Arbeit der Stadtwerke Finsterwalde liegen alle benötigten Medien an.

Geblieben sind im Wesentlichen nur das alte Heizhaus und der charakteristische Schornstein, der schon von Weitem erkennen lässt, dass an dieser Stelle auch ein großes Stück städtischer Industriegeschichte zu Hause ist. Daher freut es mich besonders, dass wir im Eingangsbauwerk der Stadthalle auch Platz für einen Webstuhl der ehemaligen Tuchfabrik gefunden haben und so den Lauf der Zeit, vom Industrie- zum Kulturstandort, belegen.

Auch das charakteristische Sheddach soll ein Zeuge der vergangenen Zeit sein und sich gleichzeitig in das moderne neue Gebäudeensemble einfügen. Nachdem die Dachstützen im Frühjahr einem Sturm erlagen, ist es dennoch gelungen, sie zu bergen und einzulagern. Umfangreiche Rücksprachen mit dem Denkmalschutz folgten, sodass der Wiederaufbau der Stützen weiterhin möglich ist.

Bis zur Grundsteinlegung im September war es ein langer Weg, der viele „Aufs und Abs“ für alle Beteiligten bereithielt. Die bewegte Geschichte der Finsterwalder Stadthalle hat, wie Sie alle wissen, ja bereits weit vor dem Baustart begonnen.

Den ersten Workshop zur Bürgerbeteiligung führten wir im Mai 2011 durch. Von Anfang an war es mir wichtig und das ist es noch immer, die Bürgerinnen und Bürger der Sängerstadt so vielfältig und so umfangreich wie möglich zu beteiligen. Ich möchte auch an dieser Stelle noch einmal betonen: Die Stadthalle wird multifunktional nutzbar sein. Sie soll Veranstaltungen für die unterschiedlichsten Interessen und Altersgruppen bieten und unserer Stadt einen weiteren Ort der Kultur bringen, in dem sich möglichst alle Einwohnerinnen und Einwohner der Sängerstadtregion wiederfinden. Nach langen Diskussionen und großem Hin und Her folgte im November 2016 die Einwohnerbefragung, bei der sich eine Mehrheit von zwei Dritteln für den Bau der Stadthalle in Finsterwalde aussprach. Aus der jetzigen Betrachtung heraus ist es fast ein wenig bitter, dass wir uns nach diesem Ergebnis darüber gefreut haben, dass der Bau nun beginnen könne. Wie Sie und ich wissen, dauerte es nämlich viele weitere Monate bis die gegen den Bau der Stadthalle gerichtete Klage beim Verwaltungsgericht endlich zu den Akten gelegt werden konnte. In der Zwischenzeit sind die Baupreise rasant nach oben geklettert und auch die Veranstaltungstechnik entwickelt sich stetig weiter. Was eben noch aktuell war, ist wenige Monate später bereits besser umsetzbar. Das beauftragte Architekturbüro und meine Kolleginnen und Kollegen im Bauamt erarbeiten also eine aktualisierte Variante des Projekts und erneuerten die Kostenkalkulation. Architekt Jürgen Habermann erklärte es der Stadtverordnetenversammlung so: Von 2016 bis 2018 sind die Baukosten um 22,6 % gestiegen und auch in der Genehmigungspraxis hat es seit 2016 wesentliche Änderungen gegeben. Die neuen Vorschriften hatten erheblichen Einfluss auf die Landesbauordnung, dem musste man selbstverständlich Rechnung tragen, damit die Baugenehmigung überhaupt erhalten werden konnte. Unter dem sprichwörtlichen Strich standen am Ende fast 20 Mio. Euro Baukosten, eine Steigerung um satte 7 Mio. Euro. Ich möchte Ihnen nicht verschweigen, dass ich mit einem Schock aus dieser Beratung ging.

Als Bürgermeister sah ich mich im Juni 2018 deswegen dazu veranlasst, die Planungen zu stoppen und den Architekten aufzufordern, Einsparpotenziale zu prüfen. Wir waren erschlagen von diesen Zahlen und ich musste ganz klar sagen: eine Umsetzung konnte es ohne weitere Fördergelder nicht geben. Das war und ist utopisch, das können wir uns nicht leisten. In den Wochen danach führten wir umfangreiche Gespräche mit den Fördermittelgebern in Potsdam und mit dem Architekturbüro hier in Finsterwalde. Von außen war es sicherlich nicht immer sichtbar, aber diese Wochen waren mehr als arbeitsintensiv und fordernd. Im Ergebnis beschlossen die Stadtverordneten die Durchführung der Ausführungsplanung, die uns Gewissheit über die weiteren Kosten bringen sollte. Jürgen Habermann hat gemeinsam mit seinem Team, den Fachplanern und meinen Kollegen aus dem Fachbereich intensiv an möglichen Einsparungen gearbeitet und mehrfach detaillierte Bemusterungstermine durchgeführt. Am Ende sind wir bei einer Investitionssumme von 17,9 Mio. Euro angelangt. Zwar konnten durch die Veränderung der geplanten Fassade und durch Umplanungen im Bereich der Veranstaltungstechnik bemerkenswerte Reduzierungen der Kosten vorgenommen werden, trotzdem hieß und heißt die Devise noch immer: „Realistisch bleiben!“. Auch im Bauverlauf sind Kostensteigerungen möglich. Das hatten auch die Stadtverordneten weiterhin im Hinterkopf, als sie am 27. Februar 2019 den Bau der Stadthalle beschlossen.

Liebe Finsterwalderinnen und Finsterwalder,

bereits hier sehen Sie noch einmal: Wir haben uns unseren Entschluss keineswegs leichtgemacht. Ein stetiges Abwägen, Diskutieren und Überprüfen begleitet dieses Herzensprojekt für die Sängerstadt von Beginn an und ich bin mir sicher, dass dies auch in Zukunft weiterhin so bleiben wird. Dazu möchte ich betonen, dass eine sachliche Diskussion für eine solche Investition aus meiner Sicht auch richtig und wichtig ist. Davon lebt unsere Demokratie- auch auf kommunaler Ebene.

Nachdem der Beschluss zur Stadthalle knapp acht Jahre nach dem ersten Workshop zur Bürgerbeteiligung also gefasst war, ging die Arbeit für meine Kollegen im Bauamt und in den weiteren Abteilungen erst so richtig los. Die baufachlich geprüften und vom Land bestätigten Gesamtkosten für den Bau der Stadthalle betragen mehr als 16,2 Millionen Euro netto- das entspricht 19,3 Mio Euro brutto. Rund 6,8 Millionen Euro werden von der Europäischen Union (EFRE) bereitgestellt. Im Rahmen des Stadt-Umland-Wettbewerbs (SUW) hatten wir die Fördermittelgeber mit unserem eingereichten Konzept für die Stadthalle überzeugen können. Der Bund stellt aus dem Förderprogramm Sanierung kommunaler Einrichtungen im Bereich Sport, Jugend, Kultur ca. 2 Millionen Euro zur Verfügung. Weitere rund 2 Millionen Euro kommen aus der nationalen Städtebauförderung. Die einzubringenden Eigenmittel unserer Stadt betragen somit knapp 5,4 Millionen Euro. Von Anfang an war es immer unser Ziel, mindestens die Hälfte der Baukosten für die Stadthalle über Fördermittel einzuwerben. Mit der Förderquote von 70 Prozent, die wir durch intensive Arbeit erreicht haben, haben wir nun das Maximale aus allen Töpfen herausholen können.

Die Kombination der verschiedenen Fördermittel von Land, Bund und EU klingt für Außenstehende kryptisch. Auch für die Fachleute in meinem Team ist die Beantragung, Umsetzung und vor allem die Abrechnung der einzelnen Fördermittel eine anspruchsvolle Aufgabe. Vor allem mit der korrekten Abrechnung nach Beendigung der Baumaßnahmen steht uns auch in Zukunft noch ein gewaltiger Arbeitsaufwand bevor. Zunächst freuten wir uns im Dezember 2019 jedoch über den Erhalt zusätzlicher Bundesmittel, bevor wir im Januar 2020 auch den offiziellen Bescheid über 6,8 Millionen Euro vom Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung (MIL) des Landes Brandenburg erhielten.

Im Februar 2020 ist das fortentwickelte Projekt dann nochmals der Öffentlichkeit und den Stadtverordneten das fortentwickelte Projekt noch einmal vorgestellt worden.

Mit einer „virtuellen Reise“ präsentierte Jürgen Habermann die Planung. Der Gebäudekomplex der Stadthalle wurde im sog. BIM-Verfahren (Building-Information-Modering) geplant, d.h., dass man dreidimensional jedes einzelne Bauteil betrachten kann. Damit wird eine hohe Sicherheit in Bezug auf die Verknüpfung zwischen den einzelnen Bereichen erreicht. Außerdem ermöglicht dieses Verfahren eine hohe Genauigkeit bei der Ermittlung von Mengen und Massen, die die Grundlage für die korrekte Abrechnung, auch in Bezug auf die Fördermittel, bilden.

Architekt Jürgen Habermann erläuterte auch die aktualisierte Kostentabelle und machte deutlich, welche große Mühe die Umsetzung und Aufteilung der einzelnen Summen auf die verschiedenen Fördertöpfe macht. Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen im Fachbereich werden der aktuelle Arbeitsstand kontinuierlich abgeglichen und die Kostentabelle monatsweise fortgeschrieben. In seinen Erläuterungen zur Kostentabelle erklärte er auch noch einmal, wie sich die Gesamtkosten von 19,3 Mio. Euro brutto auf die einzelnen Bereiche und Kostengruppen aufteilen.

Seitdem die Ausführungsplanung des Gebäudes im Februar abgeschlossen werden konnte, arbeiten meine Kolleginnen und Kollegen mit Hochdruck an den umfangreichen Ausschreibungen. In der Stadtverordnetenversammlung am 24. Juni 2020 informierte Susan Schüler, die zuständige Leiterin der Abteilung Hochbau, über das umfangreiche Vergabeverfahren. Sie erläuterte, dass aufgrund der im Projekt enthaltenen europäischen Fördermittel die Allgemeinen Nebenbestimmungen der EU (ANBestEU) gelten. Diese beinhalten ein umfangreiches formales Vergaberecht, was dazu führt, dass von der europaweiten Ausschreibung bis zur erfolgten Vergabe eines sogenannten Loses bis zu fünf Monate vergehen können. Grund dafür sind die einzuhaltenden Fristen. Die Aufteilung der einzelnen Schritte im Bau nach Gewerken nennt man „Lose“. Beispielsweise ist der Gerüstbau ein solches Los, welches an die Firma vergeben wird, die im Ausschreibungsprozess unter Berücksichtigung aller Kriterien überzeugt hat. Diese „Losaufteilung“ ermöglicht auch mittelständischen Firmen die Teilnahme am Wettbewerb. Ein Los kann sich dabei auch aus unterschiedlichen Kostengruppen zusammensetzen, sodass ein direkter Vergleich zwischen der ursprünglichen Kostenberechnung für die Baumaßnahme und der letztendlich erfolgten Vergabesumme nicht immer machbar ist.

Die „Baumaßnahme Veranstaltungshalle“ wie die Stadthalle auf den zahlreichen bereits gefüllten Ordnerrücken benannt ist, beinhaltet derzeit 53 solcher einzelnen Lose. Die Losaufteilung, also die Aufteilung der einzelnen Schritte und Arbeiten nach Gewerken, wird im Bauablauf fortgeführt. Bisher konnten 20 Lose ausgeschrieben und davon 14 Aufträge vergeben werden.

Dabei gibt es ab und an auch Überraschungen, wenn die Angebote der Firmen zu den Ausschreibungen deutlich über oder unter den zuvor von den Fachplanern geschätzten Kosten liegen. Ein drastisches Beispiel sind die Bohrungen für die Geothermie (Erdwärme): In den vergangenen zwölf Monaten haben sich die Kosten dafür gegenüber der im Juni 2019 angefertigten Schätzung des Planungsbüros von ca. 69 000 auf ca. 150 000 Euro mehr als verdoppelt, weil solche Leistungen gerade in der jüngeren Vergangenheit sehr stark nachgefragt sind. Bei anderen Ausschreibungen konnten wir uns dagegen freuen, weil die Ergebnisse günstiger waren als geplant. So konnten wir bei den Abbrucharbeiten und im Gerüstbau jeweils Einsparungen erzielen. Erfreulich ist es aus meiner Sicht und der meiner Kollegen natürlich auch, dass der überwiegende Teil der bisherigen Firmen trotz der europaweiten Ausschreibungen aus der Region stammt.

Wie sich die Baupreise in den kommenden Monaten entwickeln werden, ist auch für Fachleute schwierig absehbar. Die Erfahrung aus vielen anderen Bauprojekten, beispielsweise den Investitionen der vergangenen Jahre in den Schulen und im Straßenbau, hat uns bereits gezeigt, dass es immer wieder „Aufs und Abs“ sowie ein paar Unsicherheiten geben wird. Sie können sich sicher sein, dass meine Kollegen und mich das auch die eine oder andere schlaflose Nacht und intensive Bemühungen kostet, damit am Ende verträgliche Lösungen entstehen.

Zum jetzigen Stand sagen wir offen, dass bisher etwa 300.000 Euro an Mehrkosten entstanden sind, weil einzelne Lose die zuvor geplanten Kosten drastisch überstiegen haben. Während des gesamten Bauzeitraumes möchten wir Sie, liebe Finsterwalderinnen und Finsterwalder, natürlich weiterhin intensiv am Projekt beteiligen und informieren deswegen regelmäßig in der Stadtverordnetenversammlung auf unserer Website und hier im Stadtanzeiger sowie in der regionalen Presse.

Sobald die Bodenplatte und die Fundamente in den kommenden Wochen erfolgreich umgesetzt worden sind, startet der eigentliche Hochbau. Dann ist auch von außen besser zu erkennen, dass sich auf der Baustelle einiges tut. Begonnen wird mit dem Künstler- und Sozialtrakt. Dort sind die Künstlergarderoben und Sozialräume sowie ein Tagungsraum zu finden. Anschließend wird dann der eigentliche Saal gebaut. Wenn es die Sicherheit auf dem Gelände zulässt, möchten wir Sie natürlich auch schnellstmöglich zu Rundgängen und Führungen auf dem Gelände einladen. Bei den „offenen Tagen der Baustelle“ stehen Architekt Jürgen Habermann, mein Team aus dem Fachbereich Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr und ich dann gern für offene Fragen bereit.

Ihr Bürgermeister Jörg Gampe