Zahlreiche neue Ideen für ein viel geschätztes „altes Gemäuer“

Mehr als 50 Interessierte diskutierten in der Ergebniswerkstatt Zukunftsideen für die „Alte Weberei“

Die Finsterwalderinnen und Finsterwalder arbeiten emsig an ihrer Zukunftsstadt 2030 und sind zum „Spinnen“, aber auch zum realistischen Einschätzen der Lage bereit. Traditionen bewahren und sie in die Zukunft übertragen – unter diesem Leitsatz soll die Alte Weberei in der Oscar-Kjellberg-Straße 9 zum Zentrum der Kreativwirtschaft ausgebaut werden. Zwischen diesen beiden Ansprüchen, dem Bewahren des ursprünglichen Gebäudecharakters und dem „Fitmachen“ für zukünftige Nutzungsmöglichkeiten, lassen sich auch die Wünsche der anwesenden Zukunftsdenker zusammen fassen.

Zu allererst aber gab es eine breite Zustimmung und viel Lob für die von Clemens Habermann vorgestellten Ideen. Im historischen Gemäuer sollen moderne Arbeitsplätze und Ausstellungsmöglichkeiten für Kunst- und Kulturschaffende entstehen - die direkte Nähe zur neuen Stadthalle ist dabei kein Zufall. Das gesamte Gelände soll der Kultur gewidmet sein und zum gemeinsamen Gestalten und Vernetzen einladen. Damit das gelingen kann, gilt es, sowohl die Vorgaben des Denkmalschutzes umzusetzen, als auch notwendige Rettungswege und Brandschutzvorgaben zu bedenken. Die charaktergebenden Eisenträger sollen beispielsweise erhalten, die steile Treppe zum Obergeschoss aber ersetzt werden.

Auf die Meinung eines Gastes waren viele Anwesende wohl am meisten gespannt: Dr. Matthias Baxmann, Referent für Denkmale der Technik und Industrie am Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum und langjähriger Sprecher der Arbeitsgruppe „Industriedenkmalpflege“ der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger der Bundesrepublik Deutschland bescheinigte Finsterwalde zunächst eine Vorreiterrolle in Sachen Industriedenkmalpflege und lobte das Engagement der Stadt und des „Zukunfts-Teams“ in diesem Bereich. Er regte aber auch weitere Ideen an, beispielsweise eine Begrünung der Dachfläche, oder, für den Denkmalschutz eher unüblich aber dennoch eine Überlegung wert, das Versehen der Dachfläche mit einer Photovoltaikanlage – so könnten verschiedene Fördermittelstellen in Frage kommen.

Neben der optischen Gestaltung der „Alten Weberei“ gab es auch zahlreiche Ideen zur kulturellen Umsetzung. Der Wunsch nach „Bestandsschutz“ für die beiden Künstler Sebastian Arsand und Jens Puppe fand große Zustimmung. Auch die Vorschläge  einer Kleinkunstbühne und „eines Künstlerstipendiums“ ähnlich dem für Medizinstudenten wurden diskutiert. Dass Kunst, Kultur und Musik in der Sängerstadt eine Zukunft haben, demonstrierten einmal mehr das junge Cello-Quartett um Emily Köpke, Franz Krause, Carl Schwarz und Johannes Schöne unter der Leitung von Nassib Ahmadieh. „Um die Zukunft des Kammermusikfestivals braucht uns nicht bange sein, bereits in diesem Jahr dürfen wir Finsterwalder Talente bei „Kammermusik junior“ erleben, in vier bis fünf Jahren kommen sie vielleicht als Profis in ihre Heimatstadt zurück“, lobte Bürgermeister Jörg Gampe.

Auch bei den zukünftigen Veranstaltungen, bei denen weiter an den Wettbewerbsideen gearbeitet werden wird, soll es eine musikalische Untermalung geben. Am 16. Februar sind alle Interessierten zur Beteiligungsveranstaltung „MensaPlus“ im Sängerstadt-Gymnasium eingeladen, eine Dokumentation des Finsterwalder Stadtbildes nimmt der Foto-Workshop vor, der am 3. und 17. März angeboten wird. Wer mitmachen möchte, meldet sich bitte unter www.zukunftstadt-finsterwalde.de an.

 

„Zukunftstadt 2030+“ ist ein Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der in drei Phasen aufgeteilt ist. Als eine von zwanzig Kommunen deutschlandweit befindet sich Finsterwalde derzeit in der zweiten Wettbewerbsphase und erarbeitet die Bewerbung für Phase 3. Sollte diese erfolgreich sein, winken Gelder zur Umsetzung der erdachten Ideen. Partner des Wettbewerbs sind der Deutsche Städtetag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund und der Deutsche Landkreistag. Der Wettbewerb ist Teil der Leitinitiative „Zukunftsstadt“ des Rahmenprogramms „Forschung für Nachhaltige Entwicklungen“.