Wahlkampfauftritt der Bundeskanzlerin am 6. September

Wir sind Sängerstadt. Wir sind keine Pfeifen, wir sind keine Schreihälse und dieser demokratiefeindliche, hasserfüllte „Protest“ gehörte und gehört nicht zu uns, das ist nicht unser Finsterwalde. Wir bekamen in den letzten beiden Tagen viele Zuschriften zum Auftritt der Bundeskanzlerin auf unserem Marktplatz, darunter waren positive und negative Rückmeldungen, nur eines hatten sie alle gemeinsam: Das Brüllen, Pfeifen, Buhen und Stören verurteilten sie.
Die furchtbaren Bilder, die an diesem Abend von dieser, unserer Stadt um die Welt gingen – sie machen uns wütend, traurig, fassungslos und obwohl wir alle wissen, dass das nicht unser Finsterwalde ist, dass der allergrößte Teil der Störer nicht aus Finsterwalde kommt, schämen wir uns. Aber warum eigentlich? Warum schämen wir uns für zwei Männer, die den Hitlergruß zeigen, einer von Ihnen kommt aus dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Warum schämen wir uns für zwei weitere Männer, die mit ihren Fäusten auf friedliche Teilnehmer der Kundgebung losgingen – auch sie kommen aus dem Nachbarlandkreis. Wir schämen uns für die Überschriften wie „Merkel in Finsterwalde mit Hitler-Gruß begrüßt“ (MAZ). Wir schämen uns für die Bilder, die unsere Stadt in sämtlichen Medien als zurückgebliebene, demokratiefeindliche Provinz zeigen.

Diese Bilder veranlassen Menschen, uns zum Beispiel diese Zeilen zu schreiben: „Wie der Name "Finsterwalde" so ist diese Stadt auch. (…)Ich würde mich schämen Bürgermeister dieser Stadt zu sein. Legen sie ihr [sic!] Amt nieder aber davon wacht diese Bevölkerung auch nicht auf.“ oder auch:
„Es ekelt mich an, welches "Gesockse"[sic!] sich on[sic!] Ihrem Ort aufhält. Man kann politisch anderer Meinung sein, aber wie sich Ihre Bewohner gegen Frau Merkel aufgeführt haben, ist einfach ekelhaft. Ich habe folgenden Vorschlag. Der Osten Deutschlands kann die AFD behalten und wir ziehen die Mauer wieder hoch.“
Aber waren das Finsterwalderinnen und Finsterwalder? Zum allergrößten Teil nicht. Waren all diese Menschen Mitglieder der AfD, die sonst für Kundgebungen in Finsterwalde keine 100 Leute zusammen bekommt? Zu sehen waren auch Plakate der NPD, Kandidaten der AfD für die Wahl zum Deutschen Bundestag am 24. September. Sicher waren auch Bürgerinnen und Bürger dabei, die lediglich ihren Unmut über die Regierungspolitik der letzten Jahre äußern wollten. Wer auch immer, warum auch immer und vor allem wofür auch immer dort diese Kundgebung einer demokratischen Partei, die von jedem dritten Wähler in Deutschland Zustimmung erhält, gestört hat, der hat es auf eine Art und Weise, eigentlich sollte man sagen auf eine „Unart getan, die unserer Stadt nicht würdig ist.
Sie alle, die sie gebrüllt, gebuht und gepfiffen haben, sind mitverantwortlich für die Bilder, die ganz Deutschland nun von unserem Finsterwalde hat. Der Rest der Welt sieht nicht die Ehrenamtler, die übrigens am Mittwoch auch aufs Übelste angegangen worden sind. Sie sehen nicht die Initiative, die seit Jahren Großartiges für Geflüchtete in unserer Stadt leistet. Sie sehen nicht unsere Sportvereine, Familien, funktionierende Schulen, übrigens mit DaZ-Klasse, und Kindergärten. Was der Rest der Welt sieht, sind Pfeifen, Schreihälse und Demokratiefeinde. Das sind aber nicht wir. Wir sind stimmgewaltig – beim Singen und Diskutieren, nicht beim Pfeifen und Brüllen. Wir sind Finsterwalde und Sie, die Sie eine Kundgebung auf diese undemokratische Art gestört haben, Sie sind das nicht und wenn Sie noch so laut schreien, buhen und pfeifen können.