Finsterwalder brennen für Projekt Stadthalle

 

Podiumsdiskussion liefert wenige Gegenargumente, dafür viel Unterstützung aus der Bürgerschaft

Etwa 220 Gäste waren am 2. November zur Podiumsdiskussion zum Thema Stadthalle für Finsterwalde in die Oscar-Kjellberg-Oberschule gekommen. Die Lausitzer Rundschau hatte zu diesem Forum eingeladen. Auf der Seite der Stadthallengegner sprachen Christina Eisenberg vom SPD-Ortsverband, Hannelore Elmer, SPD-Fraktionsvorsitzende in der Finsterwalder Stadtverordnetenversammlung, Ex-Bürgermeister Johannes Wohmann und Stefan Wagenmann vom Kreisverband der SPD. Auf der Pro-Seite und damit für die Realisierung des Projektes nach den Entwürfen des Architekten Jürgen Habermann diskutierten Bürgermeister Jörg Gampe, Amtsdirektor Gottfried Richter, der Vorsitzende des Stadthallen-Fördervereins Rainer Willems und Siegfried Fritsche, Musikschulleiter im Ruhestand.



Trotz unterschiedlicher Meinungen zum Stadthallenprojekt nehme man Abstand von Vandalismus und Gewalt, stellte Moderator Frank Claus voran. Gemeint waren Farbanschläge auf den Informationsladen des Fördervereins Stadthalle und die Zerstörung mehrerer Werbebanner in den vergangenen Wochen.

Wer an diesem Abend auf eine kontroverse Diskussion gehofft hatte, wurde allerdings enttäuscht, denn Argumente der Gegenseite blieben weitestgehend aus. Ex-Bürgermeister Johannes Wohmann übte in gewohnter Weise unsachliche Pauschalkritik am geplanten Standort, am Verfahrensverlauf, an der Kostenberechnung des Architekten und der Mitarbeiter der Stadtverwaltung, an der Gestaltungsidee und an den Entscheidungen der Abgeordneten. Faktenbasierte Argumente konnten auch Christina Eisenberg und Hannelore Elmer nicht liefern. Es blieb auf der Seite der Stadthallengegner bei dem Versuch, diffuse Ängste zu schüren, ohne konkret zu werden.
Zuvor schon lenkte SPD-Unterbezirksvorsitzender Stefan Wagenmann ein und teilte mit, dass es nicht Anliegen seines Kreisverbandes sei, eine Stadthalle in Finsterwalde zu verhindern. Im Gegenteil führte er als positives Beispiel das Haus des Gastes in Falkenberg an, das überschaubare Kosten verursacht.  
„Man hatte das Gefühl, die Gegenseite ist immer noch auf der Suche nach dem Haar in der Suppe und kann es einfach nicht finden“, fasste der Abgeordnete Udo Linde die Stimmung des Abends für sich zusammen.
Auf der Pro-Seite entkräftete Bürgermeister Jörg Gampe mit einem Rückblick auf das Bürgerbeteiligungsverfahren und die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung das geäußerte Argument, das Projekt sei ohne Bürgerbeteiligung verlaufen.
Amtsdirektor Gottfried Richter machte mit dem Beispiel F60 Mut. Eine Millionen Besucher habe das Objekt bislang angezogen. Niemand hätte das gedacht, als die Idee aufkam, ein Industriemuseum zu etablieren. Siegfried Fritsche lobte die Funktionalität und das hohe technische Niveau des Entwurfs. „Künstleragenturen werden großes Interesse haben“, zeigte sich der Branchenkenner sicher. „Finsterwalde hat sich in den letzten Jahren hervorragend entwickelt. Was soll aus der Industriebrache werden, wo rundherum so viel Neues entsteht?“, wirft er in den Raum.   
Ausnahmslos Prostimmen gab es aus dem Publikum. Musiker Lars Weber wirbt mit Herzblut für die Stadthalle. „Den Skeptikern will ich sagen, dass vor einigen Jahren auch niemand gedacht hätte, dass ein Percussionensemble einen ganzen Saal füllen kann. Heute wissen wir, dass die Menschen auf gute Angebote reagieren und gern annehmen. Die geplante Stadthalle ist multifunktional und besitzt damit ein absolutes Alleinstellungsmerkmal.“
„Wir haben ein Sängerfest, doch man sollte nicht dem Irrglauben verfallen, dass es ein Selbstläufer ist. Unsere Stadt muss häufiger als Sängerstadt wahrgenommen werden, damit Menschen Lust haben, uns zu besuchen“, sagt Ingelore Lichan.
„Wir brauchen endlich einen geeigneten Ort für die hochwertigen Konzerte unserer Musikschüler“, mahnt auch der Finsterwalder Joachim Erbe an.
Der Finsterwalder Stefan Ebertowski würde gern mehr von seinem Budget für Kultur in der Sängerstadt lassen.
Steuerberater Uwe Boche verweist auf die Chance, die Position Finsterwaldes in der Region zu stärken. Bei Investitionen in dieser Größenordnung könne man natürlich immer finanzielle Risiken sehen, aber hier bestehe die Option, die Stadt zu entwickeln.

Matthias Baxmann vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege lebt in der Region und lobte die Idee, die Industriebrache für Kultur zu nutzen. Er führte das positive Beispiel Ölmühle in Wittenberge an. Gleichermaßen argumentierte Kulturwissenschaftlerin Marlen Meißner. „Der Weg, der mit diesem Entwurf eingeschlagen wird, ist genau der richtige“, sagt sie. „Studien zeigen deutlich, dass Nachhaltigkeit im Kulturbereich nur dort entsteht, wo kulturelle Orte geschaffen werden, die etwas mit den Menschen vor Ort zu tun haben“. Mit der Alten Schaefersche Tuchfabrik verbinden ganze Generationen von Finsterwaldern persönliche Geschichten.
Am Ende des Abends lud Moderator Frank Claus zu einer Probeabstimmung ein. Dabei votierte eine überdeutliche Mehrheit für die Umsetzung dieses Projektes.
Die im Hintergrund laufende Klage von Christina Eisenberg und Hannelore Elmer gegen die Ablehnung des durchgeführten Bürgerbegehrens werde nach dem Bürgerentscheid zurückgezogen, versprachen die beiden Vertrauenspersonen.

Die Bürgerbefragung am 13. November, die den Regeln eines Bürgerentscheides folgt, ist bindend. Die Fragestellung dazu lautet: „Befürworten Sie, dass die Stadt Finsterwalde bei einer mindestens 50-prozentigen Förderung das Projekt >Umbau Industriedenkmal Schaefersche Tuchfabrik< zur Veranstaltungshalle Finsterwalde bei geplanten Baukosten von etwa 11 Millionen Euro und jährlichen Betriebskosten von 280.000 Euro umsetzt?“ Für den Erfolg des Projektes Stadthalle muss eine Mehrheit von mindestens 25 Prozent der Wahlberechtigten mit Ja gestimmt haben.
Jeder Finsterwalder Wahlberechtigte hat in diesen Tagen eine Wahlbenachrichtigungskarte erhalten und ist aufgerufen, sich zu dem Projekt Stadthalle zu positionieren. Jede Seite rief die Bürgerinnen und Bürger auf, ihr Mitbestimmungsrecht wahrzunehmen und zur Wahlurne zu gehen.