Tag des offenen Denkmals findet in Finsterwalde Anklang

 
Marble Cake begeistert in improvisiertem Konzertsaal

Mit 13 geöffneten Denkmalen hat Finsterwalde am 11. September den Tag des offenen Denkmals begangen. Die feierliche Eröffnung fand auf dem Gelände des Feuerwehrmuseums statt, wo der Verein der Feuerwehrhistoriker um Hans-Dieter Unkenstein und die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr alles für das leibliche Wohl der etwa 50 Gäste vorbereitet hatten. Den musikalischen Empfang gestalteten die vier Finsterwalder Sänger und das Klarinettenduo Marie Hauke und Johanna Ertle. „Gemeinsam Denkmal erhalten“ –

das Motto des diesjährigen Denkmaltages bringe das Engagement in Finsterwalde auf den Punkt, betonte Bürgermeister Jörg Gampe in seinen Eröffnungsworten. Mit der Umgestaltung der ehemaligen Fabrikantenvilla zu Bibliothek und Stadtarchiv und der sinnvollen Nutzung der Remise als Heimstatt für die Feuerwehrhistoriker hätte man an diesem Ort eine sinnvolle Lösung gefunden. Er wünsche sich, dass auch die ehemalige Schaefersche Tuchfabrik mit der bereits geplanten und vorgesehenen Nutzung als Veranstaltungsort erhalten und belebt werden könne. Währenddessen die Begrüßungsworte gesprochen wurden, liefen auf dem Fabrikareal die Vorbereitungen für das Abschlusskonzert mit der Band Marble Cake bereits auf Hochtouren.

Aus Anlass des Denkmaltages haben die Feuerwehrhistoriker zwei Sonderausstellungen für die Gäste vorbereitet. „60 Jahre Tanklöschfahrzeug 15 H3A und „30 Jahre Ausrückefahrzeug Wartburg 353“ ließ man Revue passieren. Von der schwierigen Suche nach einem geeigneten Ort für die historische Feuerwehrtechnik berichtete Hans-Dieter Unkenstein in seinen Begrüßungsworten. Bereits im Jahr 1969 wurde mit der Sammlung begonnen, die immer wieder umziehen musste. Es waren meist provisorische Lösungen, mit denen die engagierten Historiker sich zufrieden geben mussten. In der Remise hätte man endlich ein richtiges Zuhause, was allerdings auch größer sein könnte, bemerkte er mit einem Augenzwinkern.
Vom Feuerwehrmuseum aus strömten die Gäste in die weiteren 12 Denkmale, deren Inhaber mit viel Ideenreichtum und Engagement Vorbereitungen getroffen hatten. Bei Familie Schiller im historischen Kaufmannsladen konnte man den original erhaltenen Lastenaufzug in Betrieb erleben oder sich mit einer Kutsche sich durch die Innenstadt fahren lassen. In der Bibliothek begrüßte Bibliotheksleiterin Anne Horstmann die Kleinsten mit Papiertheater und Archivarin Daniela Reichhardt dokumentierte die Umbauarbeiten an der Bibliotheksvilla in einer Ausstellung. Ob Stellwerk-Café, Reichelt-Villa, Wasserturm oder Schloss – auch in diesem Jahr fand der Denkmaltag bei den Gästen großen Anklang und viel Lob. Mit Spannung erwartet wurde das für 17 Uhr angekündigte Konzert mit Marble Cake in der Shedhalle auf dem Areal der Alten Schaeferschen Tuchfabrik. Für das Industriedenkmal hat Architekt Jürgen Habermann ein Umnutzungsplan zu einer Veranstaltungshalle entwickelt, den er vor Ort präsentierte und erläutert. Bereits ab 16 Uhr trafen die ersten neugierigen Gäste ein, um sich auf dem ehemaligen Fabrikgelände umzusehen. Der Raum mit dem Sägezahnglasdach füllte sich bis Konzertbeginn mit etwa 250 Besuchern, die nicht alle einen Sitzplatz abbekamen. Als Musiker Max Ender, ein Klarinettensolo spielend und mit Schutzhelm bekleidet, den Abend eröffnete, herrschte erwartungsvolle Stimmung im Publikum. Auftakt und Grundton für die Partitur „Kunst- und Kulturhalle“ waren gesetzt.

Auf die Schutzhelme haben Bürgermeister Jörg Gampe und der Vorsitzende des Fördervereins der Stadthalle bei ihren Begrüßungsworten verzichtet und Zuversicht und Vertrauen ausgedrückt - Vertrauen, dass die Finsterwalderinnen und Finsterwalder das Potenzial dieses Ortes spüren. Mit gecoverten Stücken und eigenen Songs hauchte die Band dem Gebäude das musikalische Leben ein. Die Musiker um den Musikschulpädagogen Chris Poller hatten einen erlesenen und treffenden Mix zusammengestellt. Während im ersten Teil des Konzertes eher ruhige Stücke dominierten - Sängerin Marlen Meißner begeisterte zum Beispiel mit einer Coverversion von Marlene Dietrichs „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ und Musikpädagoge Lars Weber verschmolz förmlich mit seinem Marimba bei Eckhard Kopetzki – wurde es im zweiten Teil dynamisch und schwungvoll. Mit Andreas Bergener, Axel Thomaß und Christopher Denke wurde das Ensemble nach der Pause erweitert. Bekannte Klassiker erklangen in der Halle und nicht nur „Old man“ von Neil Young hinterließ so manche Gänsehaut.  
„Wir wollen den Klang der Stadthalle in der Stadt verbreiten“, sagte Chris Poller und verdeutlichte damit die Position der Musiker, die sich für den Bau einsetzen wollen.
Bei den Gästen punktete nicht nur die Band, sondern die Shedhalle als Veranstaltungsort. „Ich meine, es müsste vielmehr Kunst im Werk geben – Lesungen und Theater wären an diesem Ort genauso vorstellbar“, sagte die Finsterwalder Musikerin Johanna Zmeck. „Und für den Bau der Stadthalle bin ich sowieso“, ergänzte sie. „Das Konzert und Atmosphäre waren ganz hervorragend. So etwas tut der Stadt gut“, sagte Albertine Anoma. Die gebürtige Französin war mit ihrer Familie und ihren Eltern gekommen.
Auch Matthias Gröger, der früher an diesem Ort gearbeitet hat, war von der Idee, ein Konzert zu veranstalten begeistert. „Es ist eine tolle Atmosphäre heute hier. Finsterwalde braucht allerdings eine langfristige Lösung für Kulturveranstaltungen“, sagte der Finsterwalder. Unternehmer Lutz Gerndt hat bereits sehr konkrete Pläne. „Im Jahr 2019 will ich meinen 50. Geburtstag hier in diesem Foyer feiern“, sagt er schmunzelnd während er einen Antrag auf Mitgliedschaft im Förderverein für die Stadthalle ausfüllte. Günter Herrmann ist Befürworter der Stadthalle. „Die Menschen wollen Kultur in einem ansprechenden Ambiente genießen. Die Zeit der Mehrzweckhallen ist vorbei. Wir müssen an die nachfolgenden Generationen denken. Finsterwalde muss zukunftsfähig bleiben. Eine Kulturhalle gehört in diese Stadt“, sagte er.
Für Zahnärztin Claudia Flechsig, die mit der ganzen Familie das Konzert genoss, ist „nicht erst nach diesem tollen Konzert klar, dass wir in Finsterwalde eine Stadthalle brauchen. Wir müssen Mut beweisen. Wenn viele andere vor uns, wie zum Beispiel Max Taut keine Visionen und Ideen gehabt hätten, wäre Finsterwalde nicht so wie es heute ist. Die Lage des Objektes ist optimal. Es sind nur wenige Meter bis zur Innenstadt. Eine Stadthalle wird Finsterwalde darum noch ein Stück lebendiger und anziehender machen“, sagte sie.

 

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