Die Vision

Aus dem Stadtanzeiger 12/2014

Eine Veranstaltungshalle in der Stadtentwicklungsstrategie - wie aus einer Idee Wirklichkeit werden kann

 

Liebe Finsterwalderinnen und Finsterwalder,


seit nunmehr drei Jahren haben wir in den verschiedenen Phasen des Projektes einer multifunktionalen Stadthalle in Finsterwalde am Standort der unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen „Schaeferschen Tuchfabrik“ sehr offen und transparent darüber diskutiert. Beginnend in einem offenen Workshop und darauffolgend in Arbeitsgruppen. Die Presse hat uns intensiv begleitet, manchmal positiv, meist kritisch. Die Öffentlichkeit hat sich an vielen Stellen beteiligt, so zuletzt bei der Online-Umfrage der LR am 22.10.2014. Darin wünschten sich 73,77 Prozent der Teilnehmer eine Stadthalle für Finsterwalde. Aber auch schon davor war das Thema

Veranstaltungshalle/Chorhalle präsent. Im Jahr 2009 wurde bei der Fortschreibung des Integrierten Stadtentwicklungskonzept (INSEK) aus dem Jahre 2007 das Vorhaben Veranstaltungshalle (in Verbindung mit Ausbau Hotelkapazität) als Schlüsselprojekt für die Sicherung bzw. den Ausbau der Funktionen eines Mittelzentrums (Bildung, Kultur, Tourismus), zur Image-Verbesserung als „Sängerstadt“, im INSEK qualifiziert und als Standort die südliche Innenstadt durch die Stadtverordneten festgelegt.


Hundertwasser-Projekt-Phase

2009 wird in Zusammenarbeit mit der Hundertwasser-Stiftung eine Studie für ein Veranstaltungszentrum mit Tagungshotel und Veranstaltungshalle entwickelt, welches auf dem Grundstück Brandenburger Straße/Finspangsgatan errichtet werden sollte. Am 15.06.2009 erfolgt in nichtöffentlicher Sitzung die Vorstellung vor den Fraktionsvorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung. Am 16.12.2009 beschließt die Stadtverordnetenversammlung für eine „Sängerstadthalle Brandenburger Straße“ eine Machbarkeitsstudie auf der Grundlage des Vorentwurfes der Hundertwasserstiftung in Auftrag zu gegeben. Nach der öffentlichen Vorstellung im Mai 2010 im Pavillon der Sparkasse durch ggh-Consult und ausführlichen Diskussionen in den Fraktionen wurde am 24. November 2010 die Errichtung eines Hundertwasser-Veranstaltungszentrums mit Tagungshotel von den Abgeordneten in namentlicher Abstimmung mit großer Mehrheit, bei lediglich 5 ja Stimmen, abgelehnt. Im Übrigen kamen seinerzeit 3 der 5 Stimmen von Seiten der SPD! Unter anderen von Frau Treibmann und Frau Elmer, die in der Diskussion vortrug, dass sie fürchtet ein Chance für Finsterwalde zu vergeben, und dies bei deutlich höheren Investitionskosten als 10 Mio. Euro, die bis dato nur geschätzt vorlagen sowie prognostizierter Betriebskosten von ca. 1.513.000 Euro und dagegen anrechenbarer Einnahmen von 694.000 Euro.


Idee von der Revitalisierung Industriedenkmal Tuchfabrik Schaefer

Im Rahmen der Überlegungen und Diskussionen zur Hundertwasser-Chorhalle besichtigte ich erstmals mit meinem Kollegen Bauamtsleiter Frank Zimmermann die Flächen und Gebäude der ehemaligen Feintuchfabrik in der Leipziger Straße. Dabei erinnerte ich mich noch bestens an meine Schulzeit. Hier hatten wir in der achten Klasse unseren PA-Unterricht. Ich habe die fliegenden Schiffchen und den ungeheuren Lärm der Webstühle noch vor Augen und Ohren. Das ganze Areal machte bei unserem Besichtigungstermin einen sehr traurigen und verwahrlosten Eindruck. Es gab Überlegungen zur Nach- oder Zwischennutzung sowie zur Sicherung der Gebäudeteile der städtebaulich sehr wertvollen ehemaligen Schaeferschen Tuchfabrik. Auch die Nutzungsoption einer Veranstaltungshalle war im Gespräch. Begonnen haben wir als Stadt mit Sicherungsarbeiten am Dach des Heizhauses und des Weberei-Hochbaus. Die Künstlergruppe „Morph“ suchte seinerzeit Atelier- und Ausstellungsräume. So haben wir den Hochbau als Bestandteil des Zwischennutzungskonzeptes, nachdem die erforderlichen brandschutz- und baurechtlichen Auflagen geklärt waren, an unsere heimischen Künstler übergeben können, die seitdem hier intensiv arbeiten und bereits mehrere Ausstellungen mit vielen hundert Gästen präsentierten. Am 09.03.2011 erfolgt im Rahmen des WUB-Ausschusses für alle Stadtverordneten die Vorstellung einer möglichen Planungswerkstatt zur Umgestaltung des Fabrikgeländes der „Schaeferschen Tuchfabrik – Leipziger Straße“ zu einer Veranstaltungshalle. Hier wurden von unserem Stadtsanierer, der DSK, auch ein mögliches VOF-Verfahren mit der Einbettung eines Architektenwettbewerbes sowie der erforderlichen Schritte vorgestellt und der Rahmen für einen solchen Wettbewerb von 4 Mio. Euro den Abgeordneten vorgeschlagen. Ende April 2011 hat daran anschließend die Stadtverordnetenversammlung die Durchführung eines öffentlichen Workshops beschlossen um die prinzipielle Frage zu klären „Braucht die Stadt Finsterwalde eine Kongress- und Veranstaltungshalle und falls ja, welche Anforderungen muss sie erfüllen?“
Am 05.Mai 2011 fand dann der öffentliche Workshop mit über 100 interessierten Bürgern, Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie Partner aus der Sängerstadtregion in der Aula der Oberschule statt. In der mehrstündigen sachlich geführten Diskussion kamen zahlreiche Pro- wie auch Contra-Redner zu Wort. Auch die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zu Hundertwasser sind in die Diskussion eingeflossen.
Während einige Redner die vorhandenen Räumlichkeiten in und um Finsterwalde für ihre eigenen Veranstaltungszwecke für ausreichend hielten oder andere Standorte favorisierten, plädierte eine deutliche Mehrheit der Finsterwalder und auch die Vertreter aus den Umlandgemeinden pro Veranstaltungs- und Kongresshalle in der „Sängerstadt“. Diese sollte hinsichtlich Größe und Funktionalität einem Mittelzentrum wie Finsterwalde und dessen Rolle in der „Sängerstadtregion“ angemessen sein, möglichst überregionale Ausstrahlungskraft besitzen und zugleich ein günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweisen. Die vorgeschlagene Umnutzung eines bedeutenden Industriedenkmals, die ehemalige Schaefersche Tuchfabrik in der Leipziger Straße, könnte nach Ansicht vieler Teilnehmer ein sinnvoller Weg zu einer Veranstaltungshalle mit „Alleinstellungsmerkmal“ sein, lassen sich doch hier Industrietradition und Kultur mit einer sinnvollen Nachnutzung einer zentrumsnahen städtischen Liegenschaft (mit der ohnehin etwas geschehen muss...) verbinden.
In diesem ersten Workshop konnten natürlich nicht alle Fragen beantwortet werden, die in der weiteren Vorbereitung des Projekts wichtig sind. Auf allgemeine Zustimmung stieß daher der Vorschlag zur Bildung von Arbeitsgruppen, die diese untersuchen und Lösungsvorschläge erarbeiten sollten. In diesen Arbeitsgruppen sollten auch engagierte Bürgerinnen und Bürger sowie Interessenvertreter von Vereinen, Institutionen und Firmen mitarbeiten, um ein breites Spektrum von Ideen, Ortskenntnis und Sachverstand zu bündeln.

Neben einem Besichtigungstermin hatten wir auch einen Online-Fragebogen auf unserer Internetseite zur Vorbereitung und Mitarbeit der geplanten Arbeitsgruppen eingestellt. Im September und Oktober 2011 wurden dann in verschiedenen Arbeitsgruppen zu den Themen Raumprogramm, Nutzungskonzept, Industriekultur sowie Betreiber- und Finanzierungskonzept auf Grundlage einer Bedarfsanalyse diskutiert. Während sich die eine Arbeitsgruppe an ein Raumkonzept herantastete, lotete die andere aus, wie eine solche Halle betrieben werden soll und was sie kosten könnte. Heiko Girnus, Manager des Kultur- und Kongresszentrum „big-Eppl“ aus unserer Partnergemeinde Eppelborn, hat in beiden Arbeitsgruppen von seinen Erfahrungen bei der Leitung des mehr als 500-Plätze-Hauses (fast 1000 Stehplätze ohne Bestuhlung) berichtet. Um die 30 000 Besucher kommen jährlich in die dortige Halle zu Veranstaltungen, 12 000 davon besuchen Konzerte mit deutschlandweit bekannten Künstlern. Etwa 70 Prozent der Gäste werden dabei von außerhalb, bis Frankfurt am Main und Baden-Württemberg, angelockt. Die Gemeinde Eppelborn trägt dabei die jährlich etwa 200.000 Euro Betriebskosten. Damit kann das Veranstaltungshaus einen Überschuss von bis zu 15 000 Euro erwirtschaften.
Finsterwalde solle zwar mit der Marke Sängerstadt werben und zum Anlaufpunkt für Chöre in Deutschland und darüber hinaus werden, sagt Dr. Christina Eisenberg. Die Vorsitzende des Sängerstadtmarketingvereins sprach sich allerdings dagegen aus, die neue Stadthalle nur auf den Chorgesang allein zu reduzieren. An den Diskussionen beteiligten sich Vertreter von Vereinen, von Unternehmen und Institutionen und aus der interessierten Bürgerschaft, wobei sich die Mehrheit für eine Stadthalle mit 1000 Steh- und etwa 600 Sitzplätze aussprach. Bei der Neugestaltung der alten Tuchfabrik sollte die erhalten gebliebene Industriekultur als Alleinstellungsmerkmal für die Industriestadt Finsterwalde integriert werden.


Die Idee nimmt Form an  


Als Ergebnis der Arbeitsgruppenberatungen beschlossen die Abgeordneten der Stadt Finsterwalde am 23.11. 2011 mit großer Mehrheit für das Projekt Veranstaltungshalle einen VOF-Verfahren/Architektenwettbewerb vorzubereiten und durchzuführen. Grundlage dafür sind die Ergebnisse aus der Vorstellung des Ablaufes eines VOF-Verfahrens/Architektenwettbewerbs am 09.03.2011, der öffentliche Workshop am 05.05.2011 sowie die durchgeführten Arbeitsgruppenveranstaltungen am 28./29.09.2011 und am 19.10.2011. Der Hauptausschuss wird ermächtigt, aus dem Bewerberkreis fünf geeignete Büros aus der Region zu bestimmen. Zehn weitere Büros werden durch den Hauptausschuss per Los gezogen. Die Stadtverordnetenversammlung beauftragt die Verwaltung, eine entsprechende Aufgabenstellung zur Durchführung des VOF-Verfahrens/Architektenwettbewerbs zu erarbeiten. Nach Vorlage des Siegerentwurfes aus dem Architektenwettbewerb wird die Stadtverordnetenversammlung über die weitere Vorgehensweise entscheiden.
Von Januar bis April 2012 findet die Teilnehmerauswahl für den Wettbewerb statt. Mehr als 250 Büros fordern die Unterlagen ab. 144 Büros bewerben sich, darunter fünf „gesetzte“ Architekturbüros aus der Region. Im September konstituiert sich das Preisgericht unter Vorsitz von Professor Heinz Nagler. Fünf weitere Fachpreisrichter aus dem gesamten Bundesgebiet gehören neben je einem Vertreter der Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung auch der Bürgermeister mit zur Jury. Beraten und unterstützt wird das Preisgericht vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege, der DSK, dem Technischen Büro der Neuen Bühne Senftenberg und dem Hallenmanagement der Eppelborner Stadthalle.  Um die Wettbewerbsergebnisse vergleichbar zu machen, wird für die Entwurfsplanung ein Kostenrahmen von 4 Millionen Euro für die Kostengruppen 200 bis 400 (Baukosten ohne Ausstattung und Außenanlagen) festgelegt. Fast zwölf Stunden brauchten die 13 Juroren am 20.09.2012, um aus einer Vielzahl hochkarätiger Entwurfsideen der 15 Architekturbüros die besten Vorschläge herauszufiltern und der Stadt für die weitere Bearbeitung zu empfehlen. Es war keine leichte Aufgabe für die Jury. Bis in die späten Abendstunden wurde im Anschluss an den Bericht der Vorprüfung, der allein schon mehr als drei Stunden in Anspruch nahm, den der Sanierungsträger DSK als Betreuer des Wettbewerbsverfahrens gab, intensiv und durchaus auch kontrovers diskutiert. Für mich persönlich war dies eine neue Erfahrung wie intensiv, zielgerichtet, sachlich aber keinesfalls kritiklos die verschiedenen Arbeiten alle einzeln betrachtet, erläutert und bewertet wurden.
Den ersten Preis erlangt die Knerer und Lang Architekten GmbH, Dresden; den 2. Preis Jürgen Habermann, Architektur- und Ingenieurgesellschaft GmbH und den 3. Preis Wolf.Sedat.Architekten in Weikersheim. Außerdem wurden zwei Anerkennungen ausgesprochen.  Die Arbeiten zeigten sehr kontrastreiche und spannende Lösungsansätze für die Aufgabe, die Tuchfabrik in eine multifunktionale Veranstaltungshalle zu verwandeln. Die Bewertungskriterien, die wir als Stadt vorgegeben hatten, einer Multifunktionalität der Hallennutzung mit hohem architektonischen Anspruch zu verbinden, ohne die Identität dieses Industriedenkmal insbesondere der Shedhalle aufzugeben, waren eine große Herausforderung für die Architekten. Das Preisgericht bescheinigte allen Wettbewerbsteilnehmern insgesamt, sich dieser Aufgabe mit Kreativität und hoher Qualität gestellt zu haben.
Im Anschluss daran erfolgte am 24. September 2012 die öffentliche Präsentation bei einer Pressekonferenz mit Ausstellungseröffnung im „Speicher“ der Stadtwerke Finsterwalde. Zwischen dem 24. September 2012 und dem 31. Januar 2013 waren die Entwürfe im Speicher der Stadtwerke, im Kreismuseum und in der Finsterwalder Filiale der Sparkasse Elbe-Elster zu sehen. Bis August 2013 erfolgen die Vorbereitungen und Durchführung der VOF-Vergabeverhandlungen in den folgenden Monaten unter Einschluss der Brandenburgischen Architektenkammer. Unter anderem waren für die weitere Bewertung von den drei Preisträgern Kostenschätzungen einzureichen. Die Kostenschätzung des Büro Habermann belief sich für die Kostengruppen 200 – 400 auf 4,4 Mio. Euro

Der Entwurf wird konkret

Am 25. September 2013 beschließt die Stadtverordnetenversammlung beschließt dem Büro Jürgen Habermann, Architektur und Ingenieurgesellschaft mbH den Auftrag zur Erarbeitung der Entwurfsplanung (Leistungsphase 3 lt. HOAI) zu erteilen. Neben der Kostenermittlung nach DIN 276 sind auch die jährlichen Folgekosten für die gebrauchsgebundenen Kosten, Wartungskosten, Unterhaltungskosten und die Kosten für die Erstausstattung darzulegen. Unter Abwägung verschiedener Varianten ist parallel dazu ein Betreiberkonzept zu entwickeln. Bauamtsleiter Frank Zimmermann erklärte in diesem Zusammenhang nochmals, dass die Kostengruppen 200 und 400 nicht für das gesamte Projekt aussagefähig sind! Mit Beginn des VOF-Verfahrens wurde jedoch immer kommuniziert, dass diese Kostengruppen vorerst zur Entscheidung weiterer Schritte relevant sind. Kosten, die mit der Entwurfsplanung detaillierter zu berechnen und darzustellen sind, werden Aufgabe bis zum Leistungsbild 3 sein. Die Kostengruppen 200 bis 400, die nur den Fachleuten und den Architekten bekannt ist, beinhalten den eigentlichen Bau der Stadthalle, ohne Ausstattung, ohne Umfeldgestaltung, ohne Bestuhlung und ohne Technik. Im Zeitraum der Erarbeitung der Leistungsphase 3 durch das Architekturbüro Habermann haben wir gemeinsam mit dem Architekten Herrn Habermann sowie Kollegen des Bauamtes Veranstaltungshallen in Neuenhagen bei Berlin, in Bad Blankenburg und in Weimar besucht. Dabei war es wichtig, einen Querschnitt unterschiedlicher Standorte in unterschiedlicher Ausrichtung zu sehen. Die Stadt Neuenhagen hat mit 17.000 Einwohnern eine ähnliche Größe wie Finsterwalde und hat eine Veranstaltungshalle mit 500 Plätzen. Die Verhältnisse in unserer Partnergemeinde hatte uns der Hallenmanager Heiko Girnus ja anschaulich in den Arbeitsgruppen erläutert. Auch konnte ich schon bei zwei Veranstaltungen das Fluidum live in Eppelborn erleben. Die Entfernung zwischen Bad Blankenburg und Weimar mit 63.000 Einwohnern ist vergleichbar mit der Entfernung zwischen Finsterwalde und Cottbus. In Weimar haben wir die Halle mit 1200 Sitzplätzen besucht. Wir haben die Veranstaltungshäuser ausführlich besichtigen und offen über Vor- und Nachteile bestehender Eigenbauten reden sowie die Konzeptionen der Veranstaltungsgesellschaft einsehen können. Interessant und wichtig war es, zu erfahren, dass alle Häuser sehr nachgefragt sind und sie volle Veranstaltungskalender vorweisen konnten. Im Ergebnis der ausführlichen Gespräche konnten wichtige Erkenntnisse in die Planung einfließen.


Am 24. September 2014 erläutert Architekt Jürgen Habermann im Rahmen der öffentlichen Stadtverordnetenversammlung in einem knapp einstündigen, detaillierten Vortrag den angepassten Entwurf sowie die Kostenberechnung für die gesamte Bauleistung inklusive Ausstattung. Außerdem werden Berechnungen zu den jährlichen Unterhaltungs- und Betriebskosten vorgestellt. Kämmerin Anja Zajic erläutert die Möglichkeiten für Betreibermodelle und schlägt einen Betrieb im Regiebetrieb der Stadt Finsterwalde vor. Herr Habermann hat sehr ausführlich seine Planungsschritte sowie die Ergebnisse Gutachten zu Altlastenproblematik und zum Schallschutz sowie aus den Besuchen und Erfahrungen der Veranstaltungshäuser in Bad Blankenburg, Neuenhagen und Weimar und die sich daraus ergebenden Mehr- und Minderkosten dargelegt. Am Ende standen gegenüber seiner Kostenschätzung vom August 2013 in Höhe von 4,4 Mio. Euro für die Kostengruppen 200 – 400 nunmehr in der konkreten Kostenberechnung 4,98 Mio. Euro. Auch die erforderlichen Planungskosten, die Außenumfeldgestaltung, die Erschließungskosten sowie die Kosten der Licht- und Tontechnik und Möblierung als Erstausstattung hat Herr Habermann, entsprechend der Beauftragung berechnet und detailliert erläutert.
Da natürlich zu einer neuen Stadthalle auch die Lieferfahrzeuge gelangen müssen, sind letztendlich auch die Kosten für die Zufahrt in Höhe von 243.900 Euro mit berechnet worden und dann auch in die Gesamtkosten von 9,24 Mio. Euro eingeflossen. Ebenso hat Herr Habermann weitere moderne Optionen vorgestellt, so z.B. die Möglichkeit, ab der 14. Zuschauerreihe eine automatische 3-stufige Podest Anlage mit angehobener Bestuhlung zur Verbesserung der Sichtqualität in den hinteren Reihen zu integrieren, wie auch eine automatische Bühnenabsenkung zur weiteren Variabilitätssteigerung der Stadthalle. Diese belaufen sich auf ca. 1,4 Mio. Euro.


Sehr geehrte Finsterwalderinnen und Finsterwalder,

ich glaube, hier war uns im Diskussionsverlauf, obwohl wir wiederholt darauf hingewiesen haben, ein entschiedener Fehler unterlaufen. Wir hätten wahrscheinlich noch deutlicher darauf aufmerksam machen müssen, dass die 4,4 Mio. Euro für die Kostengruppen 200 – 400 aus dem Architekturwettbewerb nur für die reinen Baukörper ohne die weiteren Kostengruppen 100- Erschließung, 500- Außenanlagen, 600- Licht- und Tontechnik und Möblierung sowie 700- die Baunebenkosten im Raum standen. Wenn Sie dies jedoch mit der ähnlich großen Investition in die Sanierung und den Neubau der Schwimmhalle vergleichen, wo bei ca. 5,5 Mio. Euro für den reinen Baukörper für die weiteren Kostengruppen noch einmal etwa 5 Mio. Euro hinzukamen, sind die vorgestellten Kostenberechnungen des Architekturbüro Habermann jedoch gut nachvollziehbar und dies hat ja auch eine deutliche Mehrheit der Abgeordneten zum Ausdruck gebracht. Diese Großinvestition in die Schwimmhalle konnte seinerzeit auch nur Dank 4,2 Mio. Euro Fördermitteln und einer 4 Mio. Euro Kreditaufnahme realisiert werden.


Als ich 2010 meine Tätigkeit als Bürgermeister für meine Heimatstadt Finsterwalde beginnen durfte, war der Zuschussbedarf des Bäderbetriebes 1,1 Mio. Euro. Den konnten wir schrittweise mit der Wiedereingliederung in den Haushalt und die Übergabe an die Stadtwerke deutlich unter 800.000 Euro senken. Ein weiterer Auftrag für das Architekturbüro Habermann war, die gebrauchsgebundenen Kosten, Wartungskosten und Unterhaltungskosten für die Stadthalle darzulegen. Auch dies hat Herr Habermann sehr anschaulich getan. Als Berechnungsgrundlage hat er Strom,- Wasser,- Abwasser,- Wärmekosten und Regenwassergebühren für 200 Veranstaltungen mit 600 Besuchern gerechnet. Er hat also eine theoretische Maximalauslastung für die Berechnung der Betriebskosten herangezogen, so dass auch diese absolut als realistisch einzuschätzen sind. Insofern hat er hier Betriebskosten pro Jahr in Höhe von 117.000 Euro ermittelt. Unsere Kämmerin, Frau Zajic hat dann im Anschluss an den Vortrag von Herrn Habermann mögliche Betreiberformen, von der GmbH, über eine Betriebsgesellschaft oder einen Eigenbetrieb, bis hin zum Regiebetrieb und die daraus entstehenden Kosten erläutert. Möglichkeiten hätten sich sicher auch wie in Doberlug-Kirchhain ergeben, wo die Mehrzweckhalle durch die dortige Wohnungsgesellschaft betrieben wird. Letztendlich hat sie den Stadtverordneten den Betrieb der Stadthalle als Regiebetrieb und deren Vorteile erläutert. Hierbei rechnet sie mit Personalkosten und notwendigen Reinigungskosten für die Betreibung der Stadthalle in Höhe von 157.000 Euro, sodass wir als Stadt mit festen jährlichen Betriebskosten (ohne Abschreibung) von etwa 280.000 Euro rechnen müssen. Uns allen ist natürlich bewusst, dass eine Veranstaltungshalle natürlich nicht gleich von 0 auf 100 starten kann. Insofern haben wir im Gegensatz zur Betriebskostenberechnung nicht mit 200 Veranstaltungen und 600 Besuchern im Jahr gerechnet, sondern bewusst vorsichtig. Hier haben wir drei Säulen, zum ersten eigenvermarktete Veranstaltungen und Produktionen, zweitens reine Vermietungen des großen, des mittleren oder des kleinen Saals, der durch die Trennwand multifunktional teilbar ist. Hinzu kommt natürlich noch die unterschiedliche Nutzungsmöglichkeit des Sheddachbereiches als Foyer und drittens, wie es in der Veranstaltungsbranche auch üblich ist, die Beteiligungsform, wobei z.B. der Künstler 80% und wir als Halleninhaber 20% der Einnahmen erhalten. Wir haben für die Berechnung der Einnahmen auch ein Musterveranstaltungsplan für die verschieden Raumnutzungsmöglickeiten zusammengestellt, der wie folgt aussehen könnte.

6 Veranstaltungen mit 200 Gästen a 15 Euro, wie Kammermusik oder Neujahrskonzerte;  
4 Veranstaltungen mit 300 Gästen a 15 Euro;
10 Veranstaltungen mit 300 Gästen und 10 Euro Eintritt
10 Veranstaltungen mit 500 Gästen für 3 Euro, so z.B. Veranstaltungen der Musikschule oder Chorkonzerte;
zwei hochpreisige Veranstaltungen zu 35 Euro mit 200 Gästen
10 Veranstaltungen mit 300 Besuchern im Preissegment von 25 Euro.
Das sind in Summe 42 Veranstaltungen im Jahr mit Einnahmen von 170.000 Euro abzüglich der Künstlergagen und Marketingkosten von 65-70%.

Für die Vermietungen haben wir unterschiedliche Raumnutzungen als Grundlage herangezogen:
28 Vermietungen mit Mieteinnahmen zwischen 150, 250 und 500 Euro bis zur Tagesvollnutzung von 1.500 Euro.
Das entspricht Einnahmen in Höhe von 24.500 Euro.
Hinzu kämen sozusagen noch Provisionserlöse von ca. 11.000 Euro.

Im Diskussionsverlauf in den Ausschüssen war von den befürwortenden Abgeordneten deutlich der Wunsch und die Forderung erhoben worden, bei der Umsetzung der Vision Stadthalle, nach modernen Standards zu bauen, also unter Einschluss der vorgenannten Optionen für eine automatisch absenkbare Bühne sowie die Sitzüberhöhung ab der 14. Reihe. Insofern stand somit zu Beschlussfassung dann die Gesamtinvestitionssumme von rund 10,7 Mio. Euro.

Am 22. Oktober 2014 haben die Stadtverordneten Finsterwaldes, als demokratisch gewählte Vertreter der Bürger, mit einer deutlichen Mehrheit die Stadt damit beauftragt, die finanziellen Voraussetzungen für den Bau der Stadthalle nach den Entwürfen des Finsterwalder Architekten Jürgen Habermann zu schaffen. In allen Fraktionen gab es Befürworter und Gegner. Lediglich die SPD-Fraktion unter der Vorsitzenden Hannelore Elmer hatte Fraktionszwang ausgerufen und stimmte geschlossen gegen die Stadthalle. Nach einem letzten sachlichen Austausch der Argumente in der Stadtverordnetenversammlung fiel die Entscheidung mit 17 Ja-, einer Enthaltung und 8 Nein-Stimmen sehr deutlich aus. Die Stadthalle könnte somit ein weiterer Baustein der positiven Entwicklung für Finsterwalde sein.

Manfred Schäfer, Abgeordneter der Wählergemeinschaft Bürger für Finsterwalde betonte: „Ich meine, dass Finsterwaldes Entwicklung in den letzten Jahren sehr positiv verlief. Die Stadt besitzt einen gewissen Vorzeigecharakter in der Region. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass eine Stadthalle eine weitere Imageverbesserung für die Stadt sein wird. Wenn wir heute dagegen stimmen, verbauen wir uns eine Riesenchance“, sagte er. Das Befürworten zeige einen optimistischen Blick in die Zukunft. Außerdem sei die Situation auf dem Finanzmarkt optimal für Investitionen, sagte der Finanzexperte abschließend. Die Sitzung fand unter großer Beteiligung der Finsterwalder Bürgerschaft statt. Die Besucherplätze im Stadtverordnetensitzungssaal reichten an diesem Mittwochabend nicht aus. Mehr als 100 Gäste waren anwesend.

Liebe Finsterwalderinnen und Finsterwalder,

dass die Stadthalle ein weiterer Baustein der positiven Entwicklung für Finsterwalde werden könnte, hoffe nicht nur ich, sondern viele von Ihnen mit mir. Es ist in den vergangenen vier Jahren in Finsterwalde viel auf den Weg gebracht worden. Wir haben die Entgeltordnung so verändert, sodass die Vereine wieder leben können. Wir haben Kinderspielplätze repariert, erneuert und ausgebaut, die Feintuch-Kita und die Kita Nehesdorf saniert und erweitert. Die Grundschule Stadtmitte hat einen modernen Schul- und Sporthof erhalten. Viele infrastrukturelle Maßnahmen sind vorgenommen worden. Es sind Straßen saniert worden, damit die Innenstadt aufgewertet wird. Unser Tierpark hat sich zu einem familienfreundlichen Ausflugsziel etabliert. Andererseits sind wir auf Unternehmen zugegangen, haben Probleme gehört und konnten teilweise bei Sanierungen und Investitionen helfen. So wird die Stadthalle ein weiterer Baustein für ein liebens- und lebenswertes Finsterwalde sein. Das von dem Büro Habermann vorliegende Projekt der Veranstaltungshalle würde das kulturelle Leben in der Sängerstadtregion zweifellos bereichern. Dem Wunsch nach einer multifunktionalen Nutzungsmöglichkeit sind wir bei der Entwicklung des Projektes gerecht geworden. Konzerte, Shows, Kinderprogramme, Kleinkunst, Ausstellungen und Kunstevents, aber auch Seminare und Tagungen würden einen kulturellen Mehrwert für alle Finsterwalder, für Groß und Klein, erzielen. Mit der Neuen Bühne in Senftenberg haben wir ein großartiges Theater in der Nähe, das Gastspiele in der Sängerstadt geben könnte. Ein Mehr an Lebensqualität in der Sängerstadtregion wäre zu erwarten, damit auch mehr Attraktivität für Fachkräfte, Rückkehrer und Investoren. Verbunden wären damit auch positive Effekte für die Gastronomie und die Händlerschaft. Dass in Finsterwalde musikalische Angebote ein dankbares Publikum finden, zeigt nicht nur das Sängerfest, sondern etwa auch das Kammermusik Festival und die vielen anderen Events.


Wir werden nunmehr in den nächsten Wochen und Monaten als Stadt intensiv versuchen die finanziellen Voraussetzungen für den Bau der Stadthalle nach den Entwürfen des Finsterwalder Architekten Jürgen Habermann zu schaffen. 3 Mio. Euro Förderung haben wir bereits über das ASZ-Programm sichern können. Ebenso haben wir über das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ Mittel beantragt. Erste Arbeitsgespräche zu möglichen weiteren Förderungen haben wir bereits in Potsdam geführt. Wenn es uns gelingt, ähnlich wie seinerzeit bei der Schwimmhalle, mindesten die Hälfte der Investitionsmittel als Förderung einzuwerben, dann sehe ich gute Chancen das Projekt umzusetzen, sodass wir vielleicht gegen Ende 2015 mit den ersten Bauarbeiten beginnen könnten. Zudem haben wir seit 2010 5 Mio. Euro Kreditverbindlichkeiten der Stadt abbauen können.


Bürgermeister Jörg Gampe