Kulturelle Tradition

Mit dem Wachstum und Aufschwung der kleinen Industriestadt Finsterwalde von der Mitte des 19. Jahrhunderts an, hat sich die Stadt gleichermaßen kulturell entwickelt. Gesangs- und Turnvereine, Logen und Vereine zur Verschönerung der Stadt sind gewachsen und haben die Grundlage für die jüngere kultureller Tradition in der Sängerstadt gelegt. 

Einer der frühen Wegbereiter war der Lehrer Louis Schiller, der sich engagiert um die kultureller Belebung des städtischen Lebens bemühte. Heute noch werden durch die Vergabe einer nach ihm benannten Ehren-Medaille verdiente Bürger geehrt. Es ist auch die Zeit, in der sich Finsterwalde mit dem berühmten Gassenhauer „Wir sind die Sänger von Finsterwalde“ einen Namen macht. Mit dem Bau des Viktoria-Hotels, eines Gesellschafts- und Ballhauses, am Ende des 19. Jahrhunderts beginnt auch schon die Rolle Finsterwaldes als Kulturmetropole in der Region. Das Haus mit Saal, Sommer- und Winterbühne und Kegelbahn zog bereits damals Kulturtouristen aus der Umgebung in die Stadt. Nach einem Umbau im Jahr 1899 fasst der Saal mehr als 500 Personen. Der Bedarf war damit wohl nicht gedeckt. Im Jahr 1936 heißt es in einer Werbeanzeige, dass Finsterwalde nun über einen modernen Theater- und Konzertsaal für nicht weniger als 2.500 Personen verfügt. Als Finsterwalde 1952 Kreisstadt wird, werden Saal und Nebenräume als Kultur- und Theatersaal genutzt. Offiziell heißt das Gebäude „Haus der Freundschaft“. Dort finden Tanzveranstaltungen, Konzerte und Theateraufführungen statt. Die Stars von damals gaben sich im Haus der Freundschaft die Klinke in die Hand: Heinz Quermann, Maria Rökk, Susi Schuster, Tadeus Punkt, die vier Brummers, Herricht und Preil, Eberhard Cohrs oder Hauff und Henkler. Begeistert erinnern sich die Finsterwalder an ausverkaufte Jazzkonzerte mit Manfred Krug, Uschi Brüning und Miriam Makeba oder die Klassikkonzerte der Dresdner Philharmoniker. Regelmäßig finden Theatervorstellungen statt. Mit der Wende ist zwar diese Kulturstätte als Angebot in Finsterwalde weggebrochen, der Bedarf allerdings nicht.
Seit 25 Jahren verfügt Finsterwalde über keine Kulturstätte, die der Größe der Stadt und deren zentraler Funktion innerhalb der Sängerstadtregion angemessen wäre. Die Erfolgsgeschichten vieler Kulturprojekte, wie das zweijährig stattfindende Sängerfest, das seit sechs Jahren etablierte Kammermusik Festival mit mehr als 1000 Gästen oder die Sommerliche Abendmusik, die bereits seit neun Jahren stattfindet und viele andere Veranstaltungen belegen, dass die kulturelle Tradition trotz eines nicht vorhandenen Raumangebotes fortlebt.