Louis Schiller

Der 1839 geborene und 1860 als Volksschullehrer in die Stadt gekommene Schiller war einer der engagiertesten Bürger in seiner Stadt. So gehörte er 1872 nicht nur zu den Gründern der Feuerwehr. Schon bei der ersten Wahl der Führung bestimmte man den Zugezogenen zum Gerätewart und Adjutanten. Darüber hinaus hatte er große Verdienste bei der Entstehung des Turnvereins und des Verschönerungsvereins.

Als Mitbegründer und Dirigent der „Liedertafel“ bereicherte Louis Schiller auch das Musikleben der späteren Sängerstadt. Bei seinem Tod 1917 schrieb der „Niederlausitzer Anzeiger“ zu Recht: „Unzählige Verdienste hat sich der Verstorbene in der Förderung edler Bestrebungen in unserer Stadt erworben." Als junger Absolvent des Lehrerseminars Altdöbern kam Schiller 1860 nach Finsterwalde. Er übernahm ein Lehramt an der Knabenschule und brachte es in diesem schwierigen, aber damals noch gesellschaftlich geachteten Beruf bis zum Hauptlehrer. Als Vollblutpädagoge bemühte er sich um seine Schüler auch außerhalb des Unterrichts. Dieses Engagement bildete die Basis, sich mit ganzer Kraft für die Stadt und ihre Bewohner einzusetzen. Dabei gehörte es offenbar zu Schillers Stärken, kommunale Notwendigkeiten zu erkennen und für deren Durchsetzung Gleichgesinnte und Verbündete zu finden und in Vereinen oder anderen Gruppen um sich zu scharen. So gehörte er 1862 zu den Gründern des Turnvereins, den er dann jahrzehntelang leitete, er hob 1872 die Feuerwehr aus der Taufe und war auch hier lange Zeit der führende Kopf, 1862 finden wir ihn als Gründungsmitglied des Gesangsvereins Liedertafel und bald ist er wiederum für Jahrzehnte ihr Dirigent. Die Freimaurerloge (1900) ist ohne ihn ebenso undenkbar, wie der Lehrerverein oder wie der 1865 etablierte Verschönerungsverein, der sich die Pflege der Stadtanlage auf die Fahnen geschrieben hatte.
Schiller verfügte über ein unglaubliches Organisationstalent, so gelang es vor allem dank seiner unermüdlichen Arbeit für den Turnverein eine eigene Halle und für die Freimaurerloge ein eigenes Domizil zu errichten. Sein Blick ging auch über Finsterwalde hinaus, so engagierte er sich im Niederlausitzer Sängerbund, dessen von Sorau bis Doberlug hochgeehrter Vorsitzender er war, und im Brandenburgischen Provinzial-Feuerwehr-Verband leitete er den hiesigen regionalen Unterverband.

All diese Aktivitäten brachten Schiller keinen Pfennig ein, aber die Achtung seiner Mitbürger und seiner Schüler. Die – im wörtlichen Sinne – Schaffensfreude trug dazu bei, dass er bei aller Belastung ein guter Familienvater und ein humorvoller Mensch blieb.

Der Spaß am Vereinsleben zeigte sich beispielsweise auch im Juni 1901, als er mit seiner Liedertafel in den Spreewald reiste und dort öffentlich als „Finsterwalder Sänger“ auftrat und damit Wilhelm Wolffs ominöses Lied endlich auch bei den Finsterwaldern salonfähig werden ließ. Als Schiller 1917 starb, hieß es in der Trauerrede des Superintendenten: „Wenn seine sterbliche Hülle längst in Staub zerfallen ist, dann wird man wohl noch sagen zu seinem Gedächtnis, was er getan.“

Lausitzer Rundschau vom 12. Dezember 2008, Text: Dr. Rainer Ernst

Mehr über Louis Schiller erfährt man in der Broschüre "Louis Schiller - Ein Leben für Finsterwalde", erhältlich im Sänger- und Kaufmannsmuseum